ADHS - na und? Vortrag von Dr. Helmut Bonney

Aufgrund des regen Interesses am Vortrag „ADHS – na und?“ von Dr. Helmut Bonney machen wir mit seiner freundlichen Genehmigung im Rahmen dieses Rückblicks seine Präsentation (s.u.) und einige weitere Hinweise zugänglich.

Rückblick zum Vortrag:

Wir sind soziale Wesen, angewiesen auf Gemeinschaft. Wir werden von ihr geprägt und prägen sie mit. Die Erfahrungen, die wir über die Zeit unseres Lebens sammeln, formen unsere ganze Person, auch das flexibelste Organ in uns, das Gehirn. Vor diesem Hintergrund plädiert Dr. Helmut Bonney, Facharzt für Kinderheilkunde mit kinderneurologischer Spezialisierung, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Facharzt für Psychotherapeutische Medizin und Systemischer Familientherapeuten, dafür, die beobachtete Verhaltensauffälligkeit bei ADHS nicht allein als eine „Störung“ oder gar Krankheit des Individuums anzusehen, sondern den Kontext mit in den Blick zu nehmen, in dem sie sich zeigt. Und dieser Kontext reicht weit über den rein familiären hinaus und geht über Kindergarten und Schule bis hin zu Grundüberzeugungen der Gesellschaft, die hinterfragt werden können, z.B. die von der zeitlichen Strukturierung von Lebenszeit. So müssen schon die Kleinkinder einen Paradigmenwechsel durchleben, in dem sie den Wechsel von Ereigniszeit-Menschen zu Uhrzeit-Menschen vollziehen.

In seinen Therapien steht folglich auch persönlich menschlicher Kontakt zum Kind und seinem Umfeld im Vordergrund. Heilung geschieht in diesem Bezugssystem, nicht nur durch reine Anpassungen von Teilaspekten des kindlichen Verhaltens. Das macht Hoffnung und Mut, dem Lebendigen wieder mehr auf die Spur zu kommen und es zu pflegen, entwickeln und zu fördern. Von Anfang an, gerade bei ADHS, geht es darum, Stärken zu stärken. Rückmeldung über Negativerfahrungen haben die Betroffenen ohnehin schon in überreichlichem Maß.

Das genaue Hinsehen geschieht bei Dr. Bonney aber nicht nur in Bezug auf die Therapie, sondern auch auf den gegenwärtigen Stand der Diskussion um ADHS, der sich häufig auf Untersuchungsergebnisse stützt, die interpretationswürdig sind. Untermauert wird sein Ansatz nicht nur durch erfolgreiche Therapien, sondern auch begründet durch den Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses über eine Änderung der Arzneimittel-Richtlinie - Anlage III Nummer 44 – Stimulantien, vom 16.September 2010, die eine Stimulantienanwendung  (Gabe entsprechender bei ADHS üblicher Medikamente) bei Hyperkinetischer Störung bzw. Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADS / ADHS) nur im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie als zulässig ansieht, und nur dann, wenn sich andere Maßnahmen allein als unzureichend erwiesen haben.(Vgl. Folie 3 der Präsentation).

Im Vortrag wurde deutlich, dass im Kontext ADHS Medikamente durchaus kurzfristig wirksam sind, der nachhaltigere Weg besteht aber im Zusammenwirken von Psychotherapie und Pädagogik, vor allem, wenn die Beteiligten Akteure von Familie zu Kindergarten oder Schule bereits sind zusammen zu wirken.

 

Hier können Sie die Präsentation zum Vortrag herunter laden.
Präsentation ADHS - na und?

 

Links:

Prasiswebsite Dr. Bonney
http://www.familientherapie-bonney.de

Spektrum Wissenschaft:
ADHS ist keine Krankheit
 

Badische Zeitung:
Hilfe für den Zappelphilipp